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Land-Berichte. Sozialwissenschaftliches Journal. H. 2-2019

Zusammenfassungen

Karl Friedrich Bohler: Zwischen Patriarchat und Partnerschaft. Ulrich Plancks Studie zum bäuerlichen Familienbetrieb in Westdeutschland um 1960

Ulrich Planck arbeitet in seiner Studie heraus, dass in der westdeutschen Bauernfamilie um 1960 patriarchalische Strukturelemente, vor allem im Generationenübergang, immer mehr an Gewicht verlieren. Der Rückgang an Arbeitskräften und die zunehmende Bedeutung der Agrartechnik machen sie immer weniger praktikabel. Diese Faktoren, aber auch die Konkurrenz verlockender außerlandwirtschaftlicher Erwerbschancen bewirken, dass partnerschaftliche Strukturelemente sowohl im Generationenverhältnis als auch in der Paarbeziehung bereits damals ein erfahrbares Übergewicht gewonnen haben. Trotzdem behält die Bauernfamilie mit ihrer Kombination von familialen und ökonomischen Sozialelementen eine Sonderstellung in der modernen Gesellschaft, die ja durch die Ausdifferenzierung von Familie und Arbeitsstätte gekennzeichnet ist.

Peter Bussler: Die Insel Neuwerk -  Kleinod im Wattenmeer. Ein historischer Abriss (Teil 1)

Die zahlreichen Touristen, die den Turm und seine Insel heutzutage aufsuchen, ahnen kaum etwas von der überaus interessanten, vielfältigen und entbehrungsreichen Geschichte sowie der Bedeutung des spätmittelalterlichen Bauwerkes auf der „Nige O“, dem die Insel Neuwerk ihren Namen verdankt. Ein Turm, der allen Widrigkeiten zum Trotz bis in jüngste Zeit als steinerner Zeuge und Symbol für die Sicherheit der hamburgischen Schifffahrt in früheren Jahrhunderten vor der Elbmündung steht. Durch geschicktes Taktieren war die Hansestadt Hamburg um 1300 in den Besitz des zunächst bis 1556 unbedeichten Eilandes gekommen, Es gibt nur wenige Örtlichkeiten an der norddeutschen Küste, wo sich Geschichte derart verdichtet hat wie auf der 3,3 Quadratkilometer großen Insel, die den  Herausforderungen des Mittelalters, unzähligen verheerenden Sturmfluten sowie den Tücken der Franzosenzeit mitsamt Kontinentalsperre getrotzt hat. Erst in den ruhigeren Abschnitten der regionalen Geschichte gelangte Neuwerk verstärkt in den Fokus bildender Künstler, Schriftsteller und Dichter.

Katja Pourshirazi: Fritz Overbeck und Jost Wischnewski – eine Begegnung zwischen Landschaftsmalerei und zeitgenössischer Fotografie

Der Landschaftsmaler Fritz Overbeck (1869-1909), Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede, hielt in zahlreichen Ölgemälden aus der Zeit um 1900 die Spuren des damals weit verbreiteten Torfabbaus im norddeutschen Teufelsmoor in der Nähe von Bremen fest: niedrige Moorkaten, steile Torfwände und weite Abbauflächen finden sich als Motive in seinen Bildern. Der Künstler Jost Wischnewski lebt und arbeitet heute in Worpswede und dokumentiert in seinen fotografischen Arbeiten den Torfabbau im 21. Jahrhundert in dieser Region. In der direkten Gegenüberstellung der Werke beider Künstler offenbaren sich dem Betrachter über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren hinweg überraschende Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie eine faszinierende Ästhetik im Spannungsfeld von Veränderung und Stillstand.

Gerd Hage: Als „Müller“ in der Kalkarer Mühle. Ein Bericht aus eigenem Erleben

Der Autor berichtet vom Verlauf seiner nachberuflichen ehrenamtlichen Mitarbeit seit inzwischen 22 Jahren in einer beeindruckend restaurierten historischen Windmühle in der kleinen niederrheinischen Stadt Kalkar. Er lernte alle Funktionen der Mühle, in der auch Getreide gemahlen wurde, betätigte sich als Mühlenhelfer und Besucherführer. Dann ließ er sich als „Freiwilliger Müller“ in den Niederlanden ausbilden, leitete den Mühlenbetrieb und motivierte andere Interessierte zur niederländischen Müller-Ausbildung. Als Vorstandsmitglied kümmerte er sich um den Erhalt der Mühle und erwarb dafür öffentliche Mittel und die kostenlose Mitwirkung einer Handwerkerfirma.

Joachim Kuropka: Die `dritte Revolution´ ist vergessen. Eine Erinnerung an die Oldenburger Revolutionen

Ende des Jahres 2018 wurde in Oldenburg an die Revolution von 1918 erinnert, die im Großherzogtum Oldenburg ungewöhnlich gemäßigt abgelaufen war, ebenso wie auch schon die Revolution von 1848. Bei entsprechenden Vergleichen wurde allerdings die ‚Dritte Revolution‘ in Oldenburg nicht herangezogen, nämlich die von den Nationalsozialisten so genannte ‚Nationale Revolution‘, die ebenfalls einen völligen Umsturz der Machtverhältnisse gebracht hatte. Der Autor macht darauf aufmerksam, dass im Freistaat Oldenburg der Prozess des Überganges von der Demokratie zur NS-Diktatur im Deutschen Reich vorgezeichnet wurde, und benennt mögliche gesellschaftliche Ursachen für den Übergang von der ‚Oldenburger Freiheit‘ zur ‚Oldenburger Diktatur‘ .

Franz Kromka: Naturromantik und Ökoklage – Eine Streitschrift

Während es den Kämpfern der 68er-Bewegung nicht gelang, das Proletariat „zum letzten Gefecht“ anzuhalten, glückte es den Ökostreitern nahezu spielend, viele Menschen glauben zu machen, dass ohne einen radikalen Kampf für den Schutz der natürlichen Umwelt die Menschheit rasch dem Abgrund zumarschiere. Die Überzeugung greift Platz, dass der Umweltmisere nur mit einer Öko-Planwirtschaft begegnet werden könne. Dieser reglementierten Wirtschaft liefert ein neuheidnischer Naturkult, der das Christentum in den Hintergrund drängt, die spirituelle Grundlage. Ihre Wurzeln hat die moderne Ökoklage in der deutschen Romantik und Lebensphilosophie. Der an die Wand gemalte apokalyptische Schrecken hat zu einem Feldzug der Ökomahner gegen den Motor des Industriesystems, die technischen Eliten, geführt. In der Öffentlichkeit scheinen hierbei die Mahner – betrüblicherweise – sehr oft die besseren Karten zu haben als die Techniker.